Wölfe können weite Strecken zurücklegen – Gerissenes Reh bei Radonice deutet darauf hin

Pressemitteilung des AOPK ČR und OWAD-Projektes

Wölfe können weite Strecken zurücklegen – Gerissenes Reh bei Radonice deutet darauf hin

Prag 12. Februar 2020 – Am 10. Februar wurden OWAD-Mitarbeiter der Tschechischen Agraruniversität in Prag von einem Jäger aus Radonice am nordöstlichen Stadtrand von Prag über ein gerissenes Reh informiert. Ein Mitarbeiter konnte am Riss Speichelproben des Verursachers sicherstellen, welche nun molekulargenetisch untersucht werden.

„Falls dies ein Wolf war, ist dieser wahrscheinlich auf Territoriumssuche. Wölfe können Hunderte Kilometer auf der Suche nach einem revier zurücklegen. Sie können auch in der Nähe von Siedlungen und Städten entlang wandern. Dies ist nicht ungewöhnlich in unserer stark urbanisierten Landschaft“, erläutert František Pelc, Direktor der agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik. Zuletzt wurde ein toter Wolf in der Nähe von Turnov gefunden, letzte Jahr wurde ein Tier in Konětopy in der Region Mělnik geschossen und ein Verkehrsunfall auf der Autobahn D10 mit einem Wolf ereignete sich in der Nähe von Brod vergangenes Jahr.

Der Wolf ist eine sehr anpassungsfähiges Tier, welches in unserer Kulterlanschaft gut zu Recht kommt. Trotzdessen bleibt er scheu und meidet den Kontakt mit Menschen. „ein Blick nach Deutschland zeigt, dass sich mehrere Rudel in der Nähe von großen Städten – Dresden, Leipzig und Hannover – leben. Konflikt mit Menschen sind nicht bekannt“, sagt Aleš Vorelvon der CULS.

In Sachsen wurden Wölfe in der Vergangenheit besendert. Ein Wolf („Alan“) wanderte über 1550 km auf der suche nach einem eigenen Territorium und lief während seiner sechsmonatigen Reise nahe an Warschau und Vilnius vorbei. Dies ist ein Grund, warum die Telemetrie sehr wichtig ist – sie liefert detailierte Daten über das Bewegungsmuster und die Gewohnheiten der Tiere.

„Häufig ist es möglich am Riss den Verursacher genetisch nachzuweisen. Dies hängt jedoch von der verstrichenen Zeit im Bezug zum Risszeitpunkt, der Umgebungstemperatur, der Beprobungsmethodik und anderen Faktoren ab. Ergebnisse sollte bis Ende der Woche vorliegen. Falls sich der Wolf als Verursahcer bestätigen lässt, wird das Monitoring in diesem Gebiet fortgesetzt. Im Frühjahr ist die Wahrscheinlichkeit für einen Wolf auf Wanderung höher aufgrund der Abwanderung von Jungtieren, wie es bereits 2017 auf der Autobahn D1 (Verkehrsunfall) der Fall war“, meint Pavel Hulva von der Karlsuniversität in Prag.

In der Natur spielen Wölfe eine wichtige Rolle als Prädator bei der Reduzierung von wildlebenden Huftieren, welche erhebliche Schäden auf Feldern verursachen. Bei Nutztierübergriffen erfolgt ein Schadensausgleich von staatlicher Seite. Des Weiteren wird der Herdenschutz subventioniert. Mehr unter ww.navratvlku.cz.

Zur Minimierung des Konfliktpotenzials hat die AOPK ein Managementprogramm vorbereitet. Ziel ist eine natürliche Ausbreitung des Wolfes zu ermöglichen und gleichzeitig Schäden und Konflikte zu minimieren. Das Programm befasst sich hauptsächlich mit folgenden Themen: Finanzierung von Präventionsmaßnahmen, Schadenskompensation, Umgang mit auffäligen Wölfen, einheitliches Monitoring und eine objektive Öffentlichkeitsarbeit. Derzeit wird es am Umweltministerium diskutiert.

 

Anmerkungen:
[1] Die objektive Akzeptanz der Wolfe in einer von Menschen veränderten grenzübergreifenden Landschaft (OWAD) wurde von der Europäischen Union durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Programms für grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen der Tschechischen Republik und dem Freistaat Sachsen (2014-2020) unterstützt.
Hauptträger ist die Tschechische Agraruniversität in Prag (CZU), an dem neben Wissenschaftlern der Fakultät für Umweltwissenschaften des CZU auch das tschechische Umweltministerium (ME) und di
e Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik (AOPK CR) beteiligt sind. Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit - verwaltet zum Beispiel die Website www.navratvlku.cz, die aktuelle Informationen über Wölfe, vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der Herden und die Möglichkeit der Unterstützung von Züchtern bietet. Projektpartner ist im Auftrag der deutschen Seite die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung vertreten durch Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz.
[2] DBBW – Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf: https://dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/karte-der-territorien
[3] Reinhardt, I. and Kluth, G.(2011) : Pilotstudie zur Abwanderung und zur Ausbreitung von Wölfen in Deutschland. https://www.bfn.de/themen/artenschutz/erfassung-und-kartierung/monitoring-grossraubtiere.html

Kontakt:
Karolína Šůlová, Agentur für Natur- und Landschaftsschutz ČR, e-mail: karolina.sulova@nature.cz, tel: 724102406

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