Zum ersten Mal wurde in der Tschechischen Republik ein Wolf besendert

In Vimperk 7.12. 2020

Den Wissenschaftlern der Tschechischen Agraruniversität in Prag (ČZU) gelang es zusammen mit Experten der Nationalparkverwaltung von Šumava, ein Telemetriehalsband einem wilden Wolf anzulegen.

Das etwa dreijährige, dreißig Kilogramm schwere Weibchen ist somit der erste tschechische Wolf, dessen Bewegungen genau überwacht werden.

"Es ist ein großer Erfolg. Einen wilden Wolf zu fangen ist keine leichte Aufgabe. Es ist ein sehr intelligentes Tier, das eine versteckte Falle leicht entdecken und systematisch vermeiden kann ", erklärt der Leiter des Forschungsprojekts Aleš Vorel vom ČZU.

"Das Fangen von Wölfen in freier Wildbahn ist eine der schwierigsten Aufgaben in der Feldökologie. In unserem Fall umfasste der Ansatz sowohl alte Trapper-Verfahren als auch den Einsatz modernster Technologien. Mehrere wissenschaftliche Gruppen aus Europa, den USA und Kanada haben uns bei den Vorbereitungen geholfen ", fügt ein weiteres Mitglied des Teams hinzu, Jan Horníček vom ČZU.

Der Anfang, einschließlich der Vorbereitungen, dauerte mehrere Monate. Auf dem Territorium des Nationalparks Böhmerwald wurden Dutzende von Fanganlagen eingesetzt. Die Fallen standen unter ständiger Aufsicht von zwei Nachverfolgungssystemen und nach dem Erfassen einer Bewegung konnte das Team innerhalb von Minuten am Erfassungsort sein. Zu dem Team gehörten auch die erfahrenen Tierärzte Lukáš Pavlačík und Hana Horáková.

"Am Ende haben wir es geschafft, ein gesundes Weibchen zu fangen, die ungefähr drei Jahre alt ist und 30 Kilogramm wiegt. Unmittelbar nach dem Fang wurde die Wölfin eingeschläfert und besendert. Nach den notwendigen Messungen, dem Wiegen und der Sammlung von genetischem Material, das noch untersucht werden soll, wachte sie erfolgreich aus der Anästhesie auf und kehrte in die Sicherheit des Territoriums ihres Rudels zurück. Derzeit bewegt sich die Wölfin nach einer großen Anzahl an ersten Aufzeichnungen des Senders und weiteren Forschungen wieder zusammen mit anderen Mitgliedern des Rudels ", beschreibt Jan Mokrý aus dem Nationalpark Böhmerwald die Einzelheiten der Telemetrierung.

Im Böhmerwald sind Wölfe in der jüngeren Geschichte sporadisch aufgetreten. Erst um 2016 wurde hier eine dauerhafte Ansiedlung festgestellt. Dies wurde von einem gemischten europäischen Paar gegründet. Zu einem Männchen, das nachweislich aus Italien stammt, gesellte sich ein Weibchen, deren Herkunft im Grenzgebiet zwischen Polen und Deutschland liegt.

"Wir haben das Rudel Mitte 2017 festgestellt. Die Reproduktion wurde auch in diesem Jahr bestätigt, als wir auch das zweite Wolfsrudel im Böhmerwald und im Bayerischen Wald registrierten. Es ist möglich, dass die gefangene Fähe ein Nachkomme der genannten Eltern ist und somit die Grundlage für das erste Böhmerwald-Rudel bildet ", sagt Oldřich Vojtěch vom Nationalpark Böhmerwald.

Das Fangen und Besendern eines Wolfes ist ein großer Beitrag zur Erforschung der Ökologie dieser zurückkehrenden Tierart. Die Bewegungsaufzeichnungen liefern genaue Daten darüber, wie sich Wölfe in unserer Landschaft fortbewegen, wo sie die meiste Zeit verbringen, wie oft und wo sie auf die Jagd gehen.

"Gleichzeitig werden die Daten aus dem Halsband auch aus konservatorischer Sicht wichtig sein. Zum Beispiel können die Daten zeigen, wie viel Zeit Wölfe bei der Erbeutung wilder Tiere im Vergleich zu Nutztieren benötigen. Die Rückkehr des Wolfes begleitet auch eine beträchtliche Anzahl von Gerüchten und Unwahrheiten. Genaue Telemetriedaten zeigen deutlich, was die Wirklichkeit ist und was nur Legenden sind, die die menschliche Gesellschaft seit Jahrhunderten mit sich führt ", kommentiert Aleš Vorel den Erfolg.

Die Hauptbeute der Wölfe sind vor allem die oft in hohen Dichten vorkommenden wilden Huftiere, welche Förstern und Bauern erheblichen Schaden zufügen. Diese machen 98% der Wolfsnahrung aus. Die Viehzucht ist auch für die Landschaftspflege unbestreitbar wichtig. Die Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik (AOPK) hat daher das Wolfsmanagementprogramm erarbeitet, in dem Schritte zur Verringerung von Konflikten beschrieben werden, welche die Rückkehr von Wölfen in unsere Landschaft mit sich bringt. AOPK kooperiert auch mit Züchterverbänden, hat Standards für die Herdensicherheit vorbereitet, hilft bei der Verwaltung von Subventionen und drängt auf eine Erhöhung von Ausgleichszahlungen. Alle Informationen dazu sind auf der Website www.navratvlku.cz verfügbar.

Derzeit gibt es in der Tschechischen Republik etwa 18 Wolfsterritorien. Die Population der Wölfe hat in den letzten Jahren zugenommen, insbesondere aufgrund des Populationswachstums an der deutsch-polnischen Grenze. Die slowakischen Karpaten an der tschechisch-slowakischen Grenze sind auch eine Quelle von Wölfen in Mitteleuropa. Telemetrische Forschung an Wölfen findet auch in Nachbarländern statt. Mehrere markierte Wölfe laufen in Sachsen oder im benachbarten Österreich. Es ist z. B. belegt, dass ein in Österreich besenderter Wolf bis nach Karlsbad lief, wo er dieses Jahr ein neues Territorium fand.

Jan Dvořák, Pressesprecher, Verwaltung des Nationalparks Böhmerwald, 1. máje 260, 385 01 VIMPERK
Mobil: +420 731 530 509, E-Mail: jan.dvorak@npsumava.cz, www.npsumava.cz

Aleš Vorel, Abteilung für Ökologie, Fakultät für Umweltwissenschaften, Tschechische Agraruniversität in Prag
Mobil: +420605281401, E-Mail: vorel@fzp.czu.cz

 

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